Wenn sich zwei Menschen finden und ineinander verlieben, sollte die Welt in Ordnung sein. Eigentlich. Denn manchmal ist sie das nicht. Da sieht sich die Partnerin wieder einem Mann gegenüber, der sie eifersüchtig zu kontrollieren versucht. Das kam bei ihr schon mehrmals vor. Und der Partner hat eine Freundin, der er nicht vertraut, weil sie so offen, unabhängig und aktiv ist. Er kennt das ebenfalls aus anderen Beziehungen.

So ist die ganze Partnerschaft fast von Anfang an ein nicht enden wollendes Eifersuchtsdrama. Ich erlebe das gerade im Freundeskreis. Ob es nun die Eifersucht oder etwas anderes ist, was die Beziehung belastet: Es raubt den Beteiligten Energie und verfinstert ihre Vorstellung von Liebe. Das Gute an meinem Beispiel ist: Beide erfahren dies alles zum wiederholten Male. Das bedeutet, es hat etwas mit ihnen selbst zu tun, nicht nur mit dem neuen Partner oder der Partnerin.

Bei Beziehungskonflikten oder -fragen ist mir der amerikanische Psychologe Chuck Spezzano ein wertvoller Begleiter geworden. Er hat viele Bücher über die Liebe geschrieben, unter anderem die 100 Geheimnisse der Liebe. Darin gibt es das Kapitel „Alte Muster auflösen“. Das zu tun, ist für ihn ein „wertvolles Heilgeschenk“.

Die Welt, wie wir sie sehen, besteht aus Mustern von Überzeugungen und Erfahrungen, schreibt Spezzano. Und manche dieser Muster bescheren uns eher Schmerzen als Glück. Sie setzen sich automatisch in Gang. Sie untergraben unser Vertrauen ins Leben und unseren Selbstwert. Diesen Automatismus müssen wir unterbinden! Wir können die Leitung kappen, indem wir uns im Moment des Bewusstwerdens entscheiden einen neuen Weg einzuschlagen.

Sei bereit!

Das klingt ganz einfach. Es bedarf lediglich etwas Arbeit mit und an sich selbst. Das ist der erste Schritt: alte Muster überwinden zu wollen. Wer will kann sich ein Tagebuch für alle Erfahrungen anlegen. Wann immer negative Überzeugungen auftauchen, auch wenn sie noch so unwichtig erscheinen, empfiehlt Spezzano: Lösche sie! Sobald du bemerkst, dass alte Muster dich beherrschen wollen, entscheide bewusst, diese Gedanken loszulassen.

Wenn es in einer Beziehungen mehrere Dinge gibt, die Schmerzen bereiten und negative Überzeugungen auf den Plan rufen, soll man sich nur mit dem beschäftigen, was gerade ansteht. Es kann sein, dass sich erst einmal alles verschlimmert, wenn man sich mit den alten Mustern und negativen Vorstellungen bewusst auseinander setzt. Dafür gibt es nach dem ersten Erfolg die Gewissheit, dass man selbst es ist, der durch eine neue positive Sicht etwas in seinem Leben verändern kann.

Um es zu veranschaulichen, ein Beispiel: Sie will übers Wochenende zu einer Freundin in die nächste Metropole fahren. Er denkt: „Da läuft doch bestimmt etwas mit einem anderen!“ Spezzanos Lösung: Loslassen. Die Einstellung verändern. Ein Gedanke könnte sein: „Sie freut sich so auf das Wochenende. Das wird ihr gut tun. Unserer Beziehung auch. Und ich kann am Wochenende ein paar Dinge erledigen, zu denen ich sonst nie komme.“ Diese Einstellung sorgt auf beiden Seiten für eine entspannte Grundhaltung. Sie steht nicht unter Druck. Und er übernimmt die Verantwortung für seine freie Zeit am Wochenende, ohne sein Befinden von ihr abhängig zu machen.