Diäten können uns noch Jahre später mit ihren Regeln fesseln. Abgesehen davon, dass eine Diät selten erfolgreich ist, macht diese Aussage nachdenklich.

Wir essen nicht nach 18 Uhr, weil wir das seit der ersten Diät zum Leitsatz erklärt haben. Wir versuchen die Zwischenmahlzeiten wegzulassen, weil das eine andere Diät empfohlen hat. Weil wir uns nie an diese Regeln halten, plagt uns ein schlechtes Gewissen. Das alles kann passieren, ohne dass wir aktuell eine Diät machen! Schluss damit!

Die Ernährungsexpertinnen Elyse Resch und Evelyn Tribole plädieren in Ihrem Ratgeber „Intuitiv abnehmen“ für ein natürliches Essverhalten. Ich habe dir daraus die wichtigsten Empfehlungen zusammengetragen.

Eine gesunde Beziehung zum Essen

Zum intuitiven Essen gehören immer zwei: der Hunger, auf den wir hören, und die Sättigung, die wir spüren und akzeptieren. Ein intuitiv Essender speist ohne Schuldgefühle und lässt sich nicht von außen beeinflussen. Statt vieler Nahrungsmittelverbote erteilt er sich die Erlaubnis zum freien Essen. Der Effekt: Mit einer gesunden Einstellung zum Essen und zum eigenen Körper ernähren wir uns automatisch ausgewogen.

Das solltest du loslassen, wenn du eine gesunde Beziehung zum Essen erreichen willst:

Diäten über Bord werfen

Wer an dem Glauben festhält, die nächste Diät sei die letzte und einzig erfolgreiche, steckt in einem Teufelskreis. Tipp: Habe Mut und nimm dir die Zeit, diesen Traum loszulassen. Mache dir den psychischen und körperlichen Schaden bewusst, den jede Diät anrichtet.

Regeln über Bord werfen

In der Hoffnung auf ein besseres Leben oder darauf, sich gänzlich zu einer neuen Person zu wandeln, verlässt du dich auf Diäten oder Nahrungsempfehlungen. Dadurch entstehen Regeln. Diese geben der „Essenspolizei“ in dir jede Menge Arbeit. Ständig rügt dich eine innere Stimme wegen deines Essverhaltens oder rebelliert sogar gegen die selbst auferlegten Regeln. Tipp: Stoppe die Beurteilungen über „gutes“ oder „schlechtes“ Essen. Biete der Essenspolizei die Stirn und enthebe sie ihres Amtes.

Glaubenssätze über Bord werfen

Nah dran an den Regeln sind die verfestigten Glaubenssätze übers Essen: das macht dick, das ist ungesund, davon nicht zu viel, davon mehr, überhaupt nicht zu dieser Uhrzeit, niemals in dieser Kombination, der Teller muss leer werden und so weiter. Tipp: Vertraue deiner inneren Weisheit und höre auf, diese zu kontrollieren. Dein Körper weiß ganz genau, was er braucht.

Hilfsmittel über Bord werfen

Die Waage, Körperfettmessgeräte, Ernährungspläne und zu engen Hosen, die als Richtlinie dienen: Darauf kannst du getrost verzichten. Sie erzeugen ein schlechtes Gewissen und halten dich von einem gesunden Essverhalten fern. Tipp: Lerne deinen Körper zu respektieren. Beschimpfe dich nicht, weil deine Taille nicht schmal genug oder deine Wangen zu füllig sind. Du musst nicht jeden Teil deines Körpers bedingungslos mögen, wohl aber mit Respekt behandeln!

Das darfst du in dein Leben lassen, damit sich deine Beziehung zum Essen verändern kann:

Hunger und Sättigung entdecken

Wer hungert und entbehrt, schadet sich genauso wie jemand, der ständig über seine Sättigung hinaus isst. Ein Satz der Autorinnen lautet: Es ist viel einfacher, mit dem Essen wieder aufzuhören, wenn du weißt, dass du jederzeit essen kannst, sobald du Hunger verspürst. Tipp, um den Hunger zu entdecken: Horche in dich hinein. Hast du Hunger? Wie groß ist er? Und wenn es dir schwer fällt, Hunger zu verspüren: Wie fühlt es sich überhaupt an, hungrig zu sein? Wo im Körper spürst du das und wie? Tipp, um die Sättigung zu entdecken: Lege während des Essens Pausen ein und frage dich: Schmeckt es noch? Wie satt bin ich? Iss ohne Ablenkung, nicht aus Pflichtgefühl und erlauben dir, jederzeit aufzuhören.

Emotionen entdecken

Wenn du dir die Frage nach dem Hunger stellst, mit „Nein“ antwortest, aber die Chipstüte schon vor dir hast. Was dann? Sehr wahrscheinlich versuchst du gerade, eine Emotion mithilfe von Essen zu bewältigen. Kummer, Wut, Aufregung, Angst, Stress, innere Leere und anderes verleitet dich dazu, dich durch Essen abzulenken, zu trösten, zu beruhigen oder gar zu bestrafen. Tipp: Geh dem emotionalen Hunger auf den Grund: Was fühle ich, wenn es kein Hunger ist? Was brauche ich eigentlich? Beginne, für dich selbst zu sorgen und überlasse das nicht länger dem Essen!

Genuss entdecken

Wenn du beim Essen und mit dem Essen zufrieden bist, wird dein Körper seltener danach verlangen. Tipp: Iss nur das, was du gerne isst! Was du nicht magst, lasse links liegen.

Lust am Bewegen entdecken

Wer seine Ernährung kontrolliert, kann Bewegung oft nur noch als Mittel zum Verbrennen von Kalorien ansehen. Tipp: Werde einfach aktiv, übertreibe nichts und lasse dich von der Bewegung motivieren anstatt von der Fettverbrennung!

Kannst du jetzt essen, was immer du willst? Die beiden Autorinnen von „Intuitiv abnehmen“ sprechen eine deutliche Empfehlung aus: Ehre deine Geschmacksknospen! Versuche herauszufinden, welche Lebensmittel dir und deiner Gesundheit gut tun. Höre auf deinen inneren „Nährwertinformanten“, der dir bei der Auswahl hilft (ohne in alte essenspolizeiliche Kontrollmuster zu verfallen).

Was glaubst du: Kann dieser Ansatz funktionieren? Ich denke sehr oft darüber nach, seit ich das Buch gelesen habe …

Zum Buch: Elyse Resch, Evelyn Tribole, „Intuitiv abnehmen. Zurück zu natürlichem Essverhalten“, Goldmann Verlag, München 2013, ISBN 978 3 442 17386 0