Gegenwind ist lustig. Mit diesen Worten begann ich einen Beitrag, den ich zur Blogparade „Gegenwind“ von Frank Albers einreichen wollte. Ich fing an zu beschreiben, warum das in meinen Augen so ist. Im Nu war ein Drittel des Artikels eingetippt. Doch dann kam er, der Gegenwind. Als kleines pfiffiges Lüftchen. In Form einer Idee:

Wäre es nicht spannend, einmal die Perspektive zu wechseln? In die Rolle desjenigen zu schlüpfen, der den Gegenwind verursacht?

Von da an lies sie mich nicht mehr los, meine Idee. Doch die Zeit verging, ohne dass ich sie in die Tat umsetzen konnte. Bis mir ein Zitat von Justus Vogt begegnete:

„Wer ständig im Gegenwind steht, der sollte mal darüber nachdenken, ob’s am Wind liegt.“

Da haben wir’s mal wieder! Wenn der Gegenwind aus unserem Beziehungsnetzwerk kommt, sagt das oft mehr über die Person aus, die ihn verursacht!

Meine Einladung an dich: Finde heraus, ob du selbst manchmal der Wind bist, der anderen ins Gesicht bläst!

Bevor ich loslege, liegt mir eines am Herzen: dich zu respektieren und wertzuschätzen! Ich glaube, dass es kaum einen Menschen gibt, der keinen Gegenwind produziert. Deshalb bitte ich dich, das Nachfolgende als das anzunehmen, was es ist: ein kleiner Stupser, der dir helfen kann, deine (Wind-) Energie künftig für etwas Besseres einzusetzen!

Woran du erkennst, dass du der Wind vom Gegenwind bist

 

  1. Du befindest dich in einer zwischenmenschlichen Beziehung – als Partner/in, Mutter, Vater, Sohn, Tochter, Angestellte/r, Mitarbeiter/in, Chef/in, Familienangehörige/r, Freund oder Freundin.
  2. Du spürst ein Unwohlsein bei dem, was dein Gegenüber macht oder sagt.
  3. Du reagierst mit Angst, Macht, Kontrolle, Wut; kurzum: Du bläst auf zum Gegenwind.

Leider ist es häufig so, dass du dein Unwohlsein gar nicht richtig bemerkst. Du hörst nur, was der andere sagt, oder du siehst, was der andere tut oder im Begriff ist zu tun. Schon landest du bei Punkt 3.

Das ist allzu menschlich, denn in der 2 wollen wir uns ungern aufhalten. Unsere Strategien, um mit Unwohlsein umzugehen, sind jahrelang erprobt. Deshalb ist es fast ein Automatismus, direkt zur 3 überzugehen.

Doch Vorsicht! Auch die 3 nimmst du nur zur Hälfte wahr, wenn überhaupt! Du machst einfach Wind, weil du glaubst, dass es gerechtfertigt ist.

Ich verkürze das mal:

Jemand sagt oder tut etwas und du hältst auf deine typische Art dagegen.

Das klingt wie normale Welt, normales Leben.

13 klassische Beispiele für Gegenwind-Attacken

Wenn du diese Beispiele durchliest, kann es passieren, dass du dich mehrfach erkennst: als derjenige, der den Wind bläst, und als derjenige, der heftigsten Gegenwind erfahren hat.

 

Gegenwind in Eltern-Kind-Beziehungen:

„Du hast noch nie etwas zu Ende gebracht, was du angefangen hast. Kannst es gleich bleiben lassen!“

„Such’ dir einen gescheiten Beruf! Als ### wirst du nie Karriere machen! Du wirst schon noch an mich denken!“

„Von mir gibt’s keinen Cent! Du hast dir deinen Weg selber ausgesucht.“

„Wenn du dorthin ziehst, werden deine Kinder niemals Großeltern haben!“

„Wenn du diese Frau heiratest, enterben wir dich!“

 

Gegenwind aus der Partnerschaft:

„Was? Du willst deinen sicheren Job aufgeben, um dich selbst zu verwirklichen? Willst du uns ins Unglück stürzen?“

„Wenn du woanders leben willst. Bittschön! Dann sind wir geschiedene Leute!“

„Noch einen Jobwechsel bei dir? Das stehe ich nicht durch!“

„Wenn du das machst, bringe ich mich um!“

 

Aus jeder Art von Beziehung:

„Halt mal den Ball flach! So, wie du dir das vorstellst, funktioniert das Leben nicht!“

„Hör’ auf zu träumen! Bist du wirklich so naiv?“

„Was machst du, wenn die anderen besser sind als du? Bist du sicher, dass du richtig aufgestellt bist?“

„Schon seit Jahren schaue ich das bei dir an! Jetzt kann ich mich einfach nicht mehr zurückhalten!“

 

Die Bilder, die ich hier gezeichnet habe, deuten auf sehr starken Gegenwind hin. All das gibt es natürlich auch in sanfterer Form. Wenn du zum Beispiel bereits erkannt hast, dass der Jobwechsel in dir ein Unwohlsein erzeugt, weil dein Partner (deine Partnerin) dich beim letzten Mal fast wegen einer neuen Kollegin (eines Kollegen) verlassen hat. Dann erzeugst du Gegenwind, weil du Angst hast. Mit deinem Partner, der ihn abbekommt, hat das gar nichts mehr zu tun. Auch wenn sein Verhalten von damals diese Angst in dir auslöst. Sie ist DEIN Problem!

Die dramatischen Folgen, wenn du der Wind bist

Bei dir selbst:
  • Du bist nicht der oder die, die du wirklich bist
  • Du forderst etwas ein, um dich zu schützen, und nicht, weil du überzeugt bist
  • Du meldest dich zu Wort, obwohl deine Meinung nicht gefragt ist
  • Du manipulierst und beeinflusst andere
  • Du schadest auf Dauer dir selbst, denn Gegenwind machen kostet richtig viel Kraft
Bei deinem Gegenüber:
  • Du erzeugst Gegendruck und keiner handelt mehr so, wie er es eigentlich vorhatte
  • Dein Gegenüber spürt Unsicherheit, kommt ins Straucheln, fühlt sich gehemmt und kommt im schlimmsten Fall nicht vom Fleck
  • Dein Gegenüber fängt an nachzudenken, ungeahnte Kräfte zu entwickeln, über sich hinauszuwachsen und im schlimmsten Fall (für dich) genau das zu tun, was du partout nicht willst

Was kannst du tun, um diese Folgen zu umgehen und die immer wiederkehrenden Muster zu durchbrechen?

Lösung Nummer 1: Sprich’ offen über deinen Wind!

Auch wenn du Angst davor hast, dich zu entblößen: Pure Offenheit kann die Situation ungemein entschärfen!

„Mir ist nicht wohl bei dem Gedanken, dass du deinen sicheren Job aufgeben willst. Ich habe Angst, dass wir es finanziell nicht schaffen. Was ist, wenn meine Krankheit wieder ausbricht? Dann kann ich nicht einmal etwas dazuverdienen.“

Diese Offenheit gibt deinem Gegenüber die Chance abzuwägen und eine für alle Beteiligten optimale Lösung zu finden (sofern er das möchte).

Tipp:

Oft sind uns die wahren Beweggründe gar nicht bewusst. Wenn das bei dir der Fall ist, kannst du dir die Warum-Frage so lange stellen, bis du eine zufriedenstellende Antwort hast:

„Ich will nicht, dass er seinen Job aufgibt!“ Warum?

„Weil ich Angst habe, dass wir nicht genug Geld zum Leben haben.“ Warum?

„Weil ich nichts dazuverdienen kann.“ Warum?

„Weil ich nicht mehr so belastbar bin wie früher.“ Warum?

„Weil dann das Risiko besteht, dass meine Krankheit wieder zurückkommt.“

Lösung Nummer 2: Stell’ die Windmaschine ab!

Drohungen, Erpressungen, Horrorszenarien: Schon die Worte alleine sind mehr als genug! Doch oft reagieren wir genau damit, wenn wir Gegenwind machen. Weil wir uns unwohl fühlen mit dem, was von unserem Gegenüber kommt.

Wenn du dieses Unwohlsein bei dir wahrnimmst, hast du die Chance, deine Windmaschine für immer abzustellen – zumindest, was diesen speziellen Wind betrifft. Es kann durchaus sein, dass du über eine ganze Palette an Wind-Formen verfügst!

Tipp:

Beginne sofort mit der bewussten, emotionalen Selbstregulierung. Trainiere deine Fähigkeit, dich von unangenehmen Emotionen zu befreien. Im besten Fall produzierst du bei der nächsten Gelegenheit schon keinen Gegenwind mehr. Und wenn doch, bist du geschult darin, dein Unwohlsein wahrzunehmen und ganz einfach aufzulösen.

Neben in der Sidebar findest du meinen E-Mail-Kurs „So helfe ich mir selbst bei unangenehmen Emotionen “ – trage dich dein, und ich zeige dir, wie die emotionale Selbstregulierung funktioniert!

 

Leben und leben lassen. Kannst du dir das vorstellen oder lebst du schon nach diesem Motto? Hinterlasse mir gerne ein Kommentar!